Leider
sowohl
Hardcover
als auch Taschenbuch nicht mehr erhältlich!Ab Mai 2007 auch als Mail-Order im Bertelsmann Club im Doppelband mit Petra Lasts ‘Einzig dir gehört mein Herz’!
Leseprobe
Kapitel 1
Colorado Plateau, Mai 2003
„Unglaublich!” Samantha Dyson beugte sich auf Händen und Knien vor, bis ihre Nase fast den Boden des versteinerten ehemaligen Flussbetts berührte. Mit einem weichen, dicken Pinsel entfernte sie vorsichtig weitere Sandkörner. Schließlich richtete sie sich triumphierend auf. Sie hatte es gefunden! Vor ihr lagen die über 145 Millionen Jahre alten Überreste eines in der Jurazeit lebenden gewaltigen Raubsauriers. Zumindest der Kopf davon, ob auch der Rest des Körpers vorhanden war, würde sie bei weiteren Grabungen feststellen müssen. Aber auch so war es ein riesiger Erfolg für sie.
Eigentlich hatte sie nicht damit gerechnet, hier auf dem Colorado Plateau, in der Morrison Formation wirklich etwas zu finden. Vielmehr hatte sie die Gelegenheit ergriffen, aus ihrem Kellerverlies in der Universität von Utah herauszukommen. Dieser Feldtrip war auch der einzige Weg gewesen, den immer aufdringlicher werdenden Annäherungsversuchen ihres Vorgesetzten zu entkommen. Denn eines wusste sie ganz sicher: der ehrenwerte Professor Charles Marsh jr. würde bestimmt nicht seine manikürten Hände in den Sand stecken, um seine Studienobjekte selber zu bergen. Er hatte versucht ihr das Ganze auszureden, indem er ihr keinen der Studenten als Helfer zuteilte. Doch damit hatte er ihr die Sache eher noch schmackhafter gemacht, denn sie arbeitete sowieso am liebsten alleine. Obwohl sie sich nach beinahe einem Monat in der kargen Umgebung fast über ein wenig Gesellschaft gefreut hätte. Vor allem jetzt, da sie ihren ersten eigenen großen Fund vor sich liegen sah.
Geschmeidig erhob sie sich und blickte auf den im Sandstein eingebetteten Schädel herunter. Ihr Saurier! Freudig klopfte ihr Herz, als sie sich auf den Weg zum Zelt machte, um ihre Sofortbildkamera zu holen. Jeder Quadratzentimeter der Fundstelle musste genauestens dokumentiert werden, bevor sie weiter graben konnte. Sam blickte abschätzend zum Himmel. Die Sonne stand bereits gefährlich tief über den graugrünen Felsen der Morrison Formation und brachte die roten und purpurfarbenen Bänder in ihnen zum Glühen. Sam atmete tief die trockene Luft ein und fühlte wie der Friede und die Schönheit der Landschaft sie durchströmten. Manche Menschen fanden die Gegend hier einfach nur trocken und grau, mit einem Wort langweilig. Doch für sie war sie mehr als das. Wenn sie die Felsformationen anblickte, sah sie im Geiste, wie sich die Landschaft im Laufe der Jahrmillionen verwandelt hatte: von einem weiten Tal mit Flüssen und Seen, vielfältiger Flora und Fauna, zu diesen aufgetürmten, bunten Felsen aus Sedimentgestein. Andere Flüsse, wie der Colorado River hatten sich gebildet und gruben sich in Millionen von Jahren durch das Colorado Plateau. Tiefe Canyons, darunter auch der bekannte Grand Canyon waren entstanden.
Ein kühler Windstoß fuhr durch Sams kurze, braune Haare und weckte sie aus ihren Träumereien über die Vergangenheit. Seufzend blickte sie noch ein letztes Mal auf die untergehende Sonne, bevor sie den kurzen, aber beschwerlichen Weg zu ihrem Zelt in Angriff nahm. Mit sicheren Tritten kletterte sie schnell aus der Spalte heraus, auf deren Boden sie das versteinerte Skelett gefunden hatte. Oben auf dem Hügel angekommen blickte sie noch einmal zurück. Das Abtransportieren der Knochen würde noch einigen Aufwand erfordern. Wahrscheinlich musste sie dafür doch Hilfe anfordern. Sicher wäre es dann schnell nicht mehr ihr Fund: ihr Chef würde jeglichen Ruhm für sich beanspruchen. Sie seufzte erneut. Die Arbeit war so schön gewesen bevor Professor Marsh an die Universität gekommen war. Sein Vorgänger war ihr Freund und Mentor gewesen und hatte ihr alles beigebracht, was sie heute über die Paläontologie wusste. Leider war er bereits kurz nach ihrem Abschluss emeritiert worden. Da alle führenden Paläontologen bereits gute Stellen in Universitäten und Museen besetzten, war nur noch Marsh übrig geblieben, um die Arbeit fortzusetzen. Bereits in der ersten Woche hatte er versucht bei ihr zu landen, war abgeblitzt und hatte sie zur Strafe in den Keller versetzt, wo sie die alten Sammlungen säubern und katalogisieren sollte. Was nicht so schlimm gewesen wäre, wenn er nicht bereits einige Male persönlich heruntergekommen wäre, um sie begrapschen zu können.
Das letzte Mal hatte er ihr an den Po gefasst, woraufhin sie einen in Gips gehüllten Knochen auf seinen Fuß fallen gelassen hatte. Noch jetzt erschreckte es sie, dass sie damit beinahe einen über 100 Millionen Jahre alten Knochen zerstört hätte. Das war der Moment, in dem sie erkannt hatte, dass sie dringend eine Auszeit brauchte und beantragte zwei Monate Ausgrabungszeit. Marsh, der seit dem Zwischenfall an Krücken lief, war ihr die meiste Zeit aus dem Weg gegangen. Er hatte wohl verstanden, dass er besser zustimmte, bevor sie ihm mehr brach als nur den Fuß. Im Institut ging das Gerücht, der Professor wäre über sein Ego gestolpert, Sam sah keine Veranlassung dem zu widersprechen. Als er ihr kurz vor ihrer Abreise scheinheilig lächelnd mitteilte, ihr bedauerlicherweise keinen Studenten zur Seite stellen zu können, weil derzeit alle an der Universität gebraucht würden, war er bei ihr völlig unten durch.
Sie hasste Lügner und Scheinheilige - Menschen, die vorne lächelten und hinter dem Rücken schlecht über jemanden redeten; Leute, die alles taten um weiterzukommen, egal, über wen sie hinweg trampelten; alle, die vorgaben etwas zu sein, was sie gar nicht waren. Sie selbst konnte ihre Gesichtszüge einfach nicht verstellen. Dieser Umstand hatte es ihr daher nie erlaubt zu lügen oder zu betrügen. Denn jeder hätte es ihr sofort angesehen. Also hatte sie sich zwangsläufig zu einem grundehrlichen Menschen entwickelt, der immer genau das sagte, was er dachte. Ein nicht gerade sehr förderlicher Charakterzug in der heutigen Zeit. Schulterzuckend zog Sam den Kopf ein und betrat das Zelt. Sie war trotzdem zufrieden mit sich und ihrem Leben. Was konnte es Schöneres geben als einen Beruf, der mehr Hobby als Arbeit für sie war? Und dann noch die Stille und Einsamkeit dieser grandiosen Landschaft. Ein zufriedenes Lächeln breitete sich über ihr Gesicht, während sie die Kameratasche über ihre Schulter hängte. Sie war genau dort, wo sie sein wollte: fernab von Städten, Menschen und ihren Machenschaften. Hier war sie nur ein kleiner Teil eines riesigen Ganzen, von Zeit, Raum und Natur.
Entschlossen nicht noch mehr kostbares Tageslicht zu verschwenden, joggte sie den kurzen Weg zu ihrer Ausgrabungsstelle zurück. In spätestens einer halben Stunde würde es stockfinster sein und dann wollte sie nicht unbedingt noch mitten im Nirgendwo unterwegs sein. Notfalls konnte sie noch die kleine Taschenlampe benutzen, die sie immer bei sich trug. Aber lieber würde sie gemütlich im Zelt sitzen, wenn es dunkel wurde, anstatt über tückische Felsen zu kraxeln. Vorsichtig kletterte sie die steile, bröckelige Felswand herunter, die die fossilienreiche Schicht enthielt. Unten angekommen steckte sie als Erstes ein Maßgitter über dem Schädel fest, das später auf den Fotos die Größe, Lage und Abstände dokumentieren würde. Sie klappte das Blitzlicht aus und begann zu fotografieren. Die nächsten Minuten vertiefte sie sich ganz in ihre Arbeit. Erst als es in der Spalte merklich dunkler war, schaute sie auf. Ein Blick auf den Himmel zeigte ihr, dass die Sonne bereits seit einiger Zeit untergegangen war und die Dämmerung begonnen hatte. Die Felsen lagen in tiefen Schatten, während der zuvor tief blaue Himmel rötlich gefärbt war. Einige Augenblicke genoss sie einfach nur das Schauspiel, bis sie sich schließlich widerwillig daranmachte, ihre Ausgrabung mit Planen abzudecken, damit die Knochen nicht durch Umwelteinflüsse geschädigt wurden. Sam hatte es schön öfter erlebt, dass Fossilien Millionen von Jahren überstanden hatten, um dann doch noch durch die Witterung zerstört zu werden, nachdem sie ausgegraben worden waren. Ihrem Skelett sollte das nicht passieren, dafür würde sie sorgen! Nach einem letzten prüfenden Blick auf ihren Fund, begann sie erneut mit dem Aufstieg.
Oben angekommen wich gerade die Abenddämmerung der tiefen Nacht. Es war bereits merklich kühler als noch vor einer halben Stunde. Während des Tages schien die Sonne unbarmherzig auf das trockene Land und man vergaß, dass man hier auf 1600 m Höhe war. Doch nachts wurde es feuchter und vor allem kühl. Fröstelnd schlang sie die Arme um sich, während sie vorsichtig über die kantigen Steine stieg. Nachdem sie mehrere Male gestolpert und fast gefallen war, holte sie fluchend die kleine Taschenlampe heraus. Sams Nachtsicht war wirklich miserabel, was in der Stadt nicht ganz so schlimm war. Aber hier in der Wildnis, ohne den hellen Schein der Straßenlampen, fast völliger Blindheit gleichkam. Der dünne, aber starke Strahl ermöglichte es ihr, den Weg problemlos fortzusetzen.
Sie war bereits auf halbem Weg zum Zelt, als sie ruckartig stehen blieb. Hatte sie eben ein Geräusch gehört? Prüfend blickte sie um sich. Nichts war zu erkennen. Die Dunkelheit umgab sie wie ein Leichentuch. Erschauernd rief sie sich zur Ordnung. Gar kein guter Vergleich in ihrer derzeitigen Lage. Dann hörte sie es wieder. Ein fernes Brummen, das langsam lauter wurde. Was war das? Lauschend drehte sie sich im Kreis. Da war es! Es hörte sich an wie ... ein Auto? Welcher Idiot fuhr hier nachts mit einem Auto über das Plateau? Schon bei Tag war es gefährlich durch diese Landschaft zu fahren, wo sich urplötzlich ein Abgrund vor einem öffnen oder ein Steinschlag niedergehen konnte. Ganz zu schweigen von dem fast nicht zu navigierenden Terrain. Sie selber war aus genau diesen Gründen mit einem Wüstenbuggy hierher gekommen, der extra für diesen Zweck gebaut worden war.
Sam machte ein paar Schritte auf das Geräusch zu, dann blieb sie unschlüssig stehen. Kein normaler Mensch würde zu dieser Zeit hier herumfahren, woraus sie den Umkehrschluss zog, dass sich entweder jemand verirrt hatte, was eher unwahrscheinlich war, denn es gab im Umkreis von 50 Meilen keine Straßen, oder jemand bestimmte Gründe dafür hatte, vermutlich illegale. Wenn Letzteres der Fall war, wollte sie lieber nicht gesehen werden. Sie wusste, dass es nicht ganz ungefährlich gewesen war, als Frau alleine in der Wildnis zu arbeiten, aber sie hatte angenommen zu weit von jeglicher Zivilisation entfernt zu sein, um auf ein anderes menschliches Wesen zu treffen. Anscheinend hatte sie sich geirrt. Ihre Hand um den Kopf der Taschenlampe gelegt, damit sie nur noch einen schmalen Lichtstrahl spendete, ging sie langsam auf das Motorengeräusch zu, jederzeit bereit sich umzudrehen und wegzurennen. Sam umrundete vorsichtig einen Hügel.
So plötzlich wie es begonnen hatte, hörte das Geräusch auch wieder auf. Sam lauschte in die Stille hinein und fragte sich gerade, ob sie sich alles nur eingebildet hatte, als sie das Schlagen von Wagentüren und laute Stimmen hörte. Schnell hockte sie sich hinter einen großen Felsblock und lugte vorsichtig um die Ecke. Der Wagen stand quer zu ihrem Versteck. Im Licht der grellen Scheinwerfer sah sie zwei Männer, die um den Wagen herumgingen und sich dann fluchend an der hinteren Tür des Lieferwagens zu schaffen machten. Laut quietschend öffnete sie sich schließlich. Sam hielt unwillkürlich den Atem an. Die Männer stiegen hinein und kamen kurze Zeit später mit einem länglichen Gegenstand wieder heraus. Er schien schwer zu sein, denn sie trugen ihn nur bis vor die Scheinwerfer und warfen ihn dann zu Boden. Sam kniff die Augen zusammen. War das ... ein Teppich? Fuhren diese Leute so tief ins Niemandsland, um dann einen alten Teppich wegzuwerfen? Sie schüttelte stumm den Kopf, so ein Unsinn! Da musste etwas anderes dahinterstecken.
Erschrocken riss sie die Augen auf. Das Bündel bewegte sich! Zwar nur ganz schwach, aber sie konnte es im Scheinwerferlicht gut erkennen. Irgendetwas Lebendiges war da drin. Unvermittelt sah Sam ihre Vermutung bestätigt, dass niemand ohne einen Grund nachts in diese Gegend kommen würde. Einer der Männer trat kräftig gegen das Bündel und lachte.
"... immer noch nicht erledigt?" Seine heisere Stimme wehte deutlich bis zu ihrem Versteck. Sam hatte sich schon halb erhoben, als ihr klar wurde, dass es nichts bringen würde, wenn sie eingriff. Sie hatte keinerlei Waffen bei sich und wäre für die beiden Widerlinge eine leichte Beute. Nein, so schwer es ihr auch fiel, sie musste versteckt bleiben, bis der Wagen wieder verschwunden war. Ihre kurzen Fingernägel bohrten sich in ihre Handflächen, während sie hilflos beobachtete, wie die Männer wieder und wieder auf das Bündel einschlugen.
Dann erinnerte sie sich an ihren Fotoapparat. Leise holte sie ihn aus der Tasche und schaltete den Blitz aus, damit er sie nicht verriet. Sie drückte immer wieder auf den Auslöser, obwohl sie sich fast sicher war, dass man kaum etwas auf den Fotos erkennen würde. Polaroidkameras waren nicht gerade dafür bekannt, in Dunkelheit und in der Entfernung gute Fotos zu machen, aber sie wusste nicht, was sie sonst hätte tun können. Sie musste sich irgendwie beschäftigen. Und selbst wenn nur auf einem der Fotos etwas zu erkennen sein würde, hätte es sich gelohnt. Sie könnte damit zur Polizei gehen und den Vorfall melden. Nach einer Weile holte einer der Männer eine Schaufel aus dem Wagen und fing an, ein Loch in dem weichen Sand zu graben. Einige Minuten später holte er ein Tuch aus seiner Gesäßtasche und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
" ... könntest ... helfen!"
Der zweite Mann ließ von dem Bündel ab, ging wortlos zum Auto und kam mit einer zweiten Schaufel zurück. Gebannt richteten sich Sams Augen auf das Bündel. Los, das ist deine Chance!
Als hätte er ihre Gedanken gehört, kam Leben in den Haufen. Langsam begann er von den Männern wegzurollen. Sam biss in ihren Handballen, um ihn nicht laut anzufeuern. Schneller! Du schaffst es! Doch noch während sie das dachte, erkannte sie, dass es nicht stimmte. Einer der Männer hatte den Fluchtversuch bemerkt. Mit einem kraftvollen Hieb schlug der Mann mit der Schaufel auf das Bündel. Ein dumpfes Geräusch ertönte, das von einem Stöhnen abgelöst wurde, dann war Stille. Nur um sicher zu sein, schlug er noch ein paar Mal zu, bevor er sich wieder zu seinem Kumpan begab und weiter die Kuhle aushob.
Vor Wut und Verzweiflung traten Sam Tränen in die Augen. Was sollte sie tun? Anscheinend wollten die beiden Kerle hier etwas Lebendiges vergraben. Minutenlang beobachtete sie den stillen Haufen. Oder vielleicht hatten sie dieses Etwas bereits mit der Schaufel getötet und vergruben jetzt nur noch die Leiche? Egal, auf jeden Fall waren diese Männer Mörder. Sie würden bestimmt nicht davor zurückschrecken einen Zeugen auszuschalten. So blieb ihr nichts anderes übrig als zuzusehen, wie sie das Loch zu Ende schaufelten, die Schaufeln beiseite legten, jeder ein Ende des Bündels aufnahm und unter Ächzen in die Höhe zog. Dann holten sie Schwung und warfen es in das Erdloch. Sam wartete vergeblich darauf, dass sich das Bündel bewegte und aus seinem Grab herauskroch. Die Männer standen noch eine Weile prüfend daneben, bevor sie damit begannen die Erde wieder in das Loch zu schaufeln. Ihr höhnisches Gelächter hallte von den Felswänden wider.
"... passiert ... erwischen lässt ..."
„Schlaf schön!”
Sam presste eine Hand vor den Mund und kroch dichter an den Felsblock. Wenn sie doch nur endlich verschwinden würden! Mit zitternden Fingern überprüfte sie ob ihre kleine Handschaufel noch an ihrem Werkzeuggürtel hing, den sie bei Ausgrabungen immer dabei hatte. Ja, da war sie. Sie machte noch ein paar Fotos und steckte die Kamera dann in die Tasche zurück und schob die entwickelten Fotos hinterher.
Einige Minuten später warfen die Männer ihre Schaufeln wieder in den Lieferwagen, stiegen ein und fuhren mit aufheulendem Motor davon. Obwohl alles in ihr sie dazu drängte sofort loszulaufen, zwang sie sich ruhig sitzen zu bleiben bis sie sicher sein konnte, dass die Verbrecher nicht wiederkommen würden. Vorsichtig kroch sie hinter dem Felsblock hervor und blickte sich aufmerksam um. Nichts mehr zu sehen oder zu hören. So schnell sie konnte lief sie schließlich zu dem flachen Hügel, den die beiden Männer hinterlassen hatten. Sie stolperte ein paar Mal, fing sich aber immer noch im letzten Moment.
Schwer atmend kniete sie schließlich vor der lockeren Erde. Sam zog ihre Schaufel aus der Schlaufe und hielt zögernd inne. Sie hatte keine Probleme damit alte Knochen auszugraben, aber wenn noch Fleisch dranhing, war das eine ganz andere Sache. Doch sie musste es tun, schließlich konnte das, was in dem Bündel war, noch leben. Selbst wenn nicht, musste sie zumindest wissen, womit sie es zu tun hatte, bevor sie die Polizei verständigte.
Energisch riss sie sich zusammen und versenkte ihre Schaufel in dem trockenen Sand. Zum Glück hatten die Typen keine Lust gehabt besonders tief zu graben. Bereits nach ein paar Zentimetern stieß sie auf etwas Hartes. Um nicht weitere Verletzungen hervorzurufen, grub sie vorsichtig mit ihren Händen weiter. Schon bald berührten ihre Finger den Stoff des Bündels. Mit grimmig verzogenem Mund entfernte sie weiteren Sand. Durch den Stoff drang Wärme an ihre kalten Hände. Entweder war das Restwärme oder es lag noch etwas Lebendiges in dem Loch. Mit der Taschenlampe leuchtete sie auf das Bündel, konnte aber nicht erkennen, um was es sich handelte. Die Lampe zwischen den Zähnen schob sie vorsichtig ihre Finger unter den Stoff. Ohne Vorwarnung glitt etwas um ihr Handgelenk und zog sie nach unten. [...]

