Zeitungsartikel

* Portrait in der Kölnischen Rundschau vom 09. März 2004
* Portrait im Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Sieg Journal vom 07.12.2007

Interviews

* Interview beim Auszeit-Magazin am 11. November 2012
* Interview bei Literatopia vom 11. März 2012
*
Bericht Gesprächrunde Romantic Thrill vom 08. Oktober 2010 bei lesenswert-empfehlenswert. Mit dabei waren Christina Knorr von Lyx und Kris-Alice Hohls, die Herausgeberin vom Loveletter-Magazin.
* Interview auf Marinas Bücherwelt vom 12. Januar 2011
* Interview der Hunter-Geschwister bei Happy-End-Bücher aus Februar 2008
* Interview bei Aveleen Avide vom 27. Februar 2009
* Interview zum Gewinn der DeLiA 2008

* Interview bei RoterDorn 2008
* Interview bei Büchertitel 14. November 2007
* Interview im LoveLetter Nr. 22, Januar 2007
* Interview zur Veröffentlichung von ‘Abgründe des Verlangens’ im Bertelsmann
 Club Frühjahr 2005.

* Interview im LoveLetter Nr. 3, Juni 2005
* Interview April 2004 in Steffis Bücherkiste

Artikel zum Schreiben

* Workshop Romantic Suspense [abgedruckt im LoveLetter Nr. 8, November 2005]
* Setting-Workshop [abgedruckt im LoveLetter Nr. 3, Juni 2005]
* Tour durch die Nationalparks im Westen der USA [abgedruckt im LoveLetter Nr. 4, Juli 2005]


Portrait in der Kölnischen Rundschau vom 09. März 2004



Die Liebe ist ein Abenteuer : Michelle Raven verfasst romantische Spannungsromane / von Ulrike Weinert (Foto: Jeske)


Porträt im Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Sieg Journal vom 07.12.2007



Nach Dienstschluss Mord / VON INGO LANG

Interview im LoveLetter Nr. 22, Januar 2007

LL:Sie gelten als Deutschlands einzige Romantic-Suspense-Autorin. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass sich hiesige Schriftsteller nicht mit dem Genre befassen? Und glauben Sie, dass sich daran nun etwas ändert, weil immer mehr Verlage Romantic-Suspense-Titel (aus den USA) im Programm haben?

MR: Natürlich kann ich nicht mit letzter Bestimmtheit sagen, warum es keine deutschen RS-Autoren gibt, aber ich vermute, es liegt daran, dass es bisher einfach noch keiner versucht hat. Traditionell schreiben deutsche Liebesromanautoren mehr im ‚Freche Frauen’ oder historischen Genre (diese Genres liefen in den letzten Jahren auch am Besten). Romantic Suspense ist eine Mischung aus Liebesroman und Thriller, was noch eine weitere Hürde darstellt. Es ist nicht so einfach, keinen der beiden Teile zu vernachlässigen. Deutsche Autoren schreiben dann schon eher reine Krimis oder eben reine Liebesromane. Meiner Meinung nach wird es aber auch von den Verlagen nicht gefördert, meist reichen ihnen die Übersetzungen aus den anderen Ländern (allen voran die USA). Wozu noch eine deutsche RS-Sparte einrichten, deren Autoren mühevoll aufgebaut werden müssten? Es mag sein, dass es in den nächsten Jahren mehr RS-Autoren in Deutschland geben wird, aber sie werden es nicht leicht haben.

LL: Was reizt Sie am Genre? Warum haben Sie gerade Romantic Suspense gewählt?

MR: Die Möglichkeit, spannende Geschichten mit Liebe zu verbinden, hat mich gereizt. Seit einigen Jahren lese ich überwiegend Romane aus diesem Genre, es war für mich nie eine Frage, dass ich genau das schreiben möchte.

LL: Ihr jüngster Roman, der nun als Taschenbuch erscheint, ist bereits Anfang 2005 herausgekommen. 2006 gab es nur eine Kurzgeschichte in der Club-Anthologie „Mordsgeschichten“. Wie lange müssen sich Ihre Fans noch gedulden, um neue Bücher von Ihnen lesen zu können? Und was dürfen sie als nächstes erwarten?

MR: Ein wenig Geduld ist noch nötig, mein nächster Roman ist für das Verlagsprogramm Herbst 2007 geplant. Danach ist vorgesehen, den jährlichen Erscheinungsrhythmus wieder aufzunehmen. Der neue Roman ist härter als die Vorgänger, eine Mordserie hält die Protagonisten in Atem und der Täter kommt ihnen immer näher … aber natürlich steht auch hier wieder eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt. Unter den weiteren Veröffentlichungen wird auch der nächste Hunter-Roman sein, in dem diesmal Leigh die Hauptperson ist.

LL: Alle Ihre Romane sind ganz locker miteinander verbunden, es tauchen ab und an Figuren aus Vorgängerbänden auf, ehemalige Nebencharaktere werden zu Hauptakteuren. Wie kam es dazu?

MR: Das war eigentlich nicht geplant. Das Problem an interessanten Nebenfiguren ist, dass sie dem Autor viel Nahrung für weitere Geschichten bieten. So hat mich z.B. Clint Hunter in ‚Canyon der Gefühle’ so fasziniert, dass er einfach eine eigene Geschichte bekommen musste, die ich gleich im Anschluss daran geschrieben habe (Riskante Nähe). In ‚Eine unheilvolle Begegnung’ passten Autumn und Shane irgendwie sehr gut hinein, vor allem konnte ich so auch Zach Murdock noch mal aufleben lassen, eine weitere interessante Nebenfigur. Rey Dyson (Bruder der Heldin aus ‚Eine unheilvolle Begegnung’) war als Naturfilmer natürlich prädestiniert für ‚Abgründe des Verlangens’, das in Südafrika spielt. Ich mag die Vorstellung, eine eigene Welt zu kreieren, in denen sich meine Protagonisten bewegen und das schließt auch ein, dass sie sich auf ihrem Weg begegnen können. Das ist aber nicht zwingend notwendig, mein neues Buch hat zum Beispiel keinerlei Verbindung zu meinen anderen Romanen. Ich lege auch Wert darauf, dass jedes meiner Bücher für sich stehen kann, der Leser die Geschichte also nachvollziehen und genießen kann, ohne die anderen Bücher zu kennen.

LL: Bislang spielten Ihre Geschichten nur in den USA, mit Ausnahme eines kleinen Exkurses, der Rettungsaktion in „Riskante Nähe“. „Abgründe des Verlangens“ beginnt nun in Afrika, bevor es an den Grand Canyon geht. Was reizt Sie an „exotischen“ Settings? Wie recherchieren Sie dafür? Und können Sie sich auch vorstellen, einmal einen Ihrer Romane in Ihrer Heimat anzusiedeln?

MR: Mich faszinieren Landschaftsformen, die man nicht direkt vor der Tür hat. Bizarre Steingebilde wie im Arches National Park (und vielen anderen), Geysire und heiße Quellen wie im Yellowstone National Park, Halbwüsten, Mammutbäume, gemäßigte Regenwälder oder auch die afrikanische Landschaft geben sehr gute Hintergründe für meine Geschichten ab. Vor allem sind die Gegenden teilweise so menschenleer, dass sich die Gefahr für die Protagonisten schon allein dadurch erhöht, sollten sie verfolgt werden oder dort stranden … Ganz wichtig für meine Recherche ist, dass ich die Landschaften selbst gesehen habe, so kann ich alles aus meinen eigenen Erfahrungen heraus beschreiben, was das Ganze für den Leser lebendiger macht. Ich war mehrmals in den Parks, die in meinen Büchern vorkommen, habe die Safari im Umfolozi mitgemacht, bin in den Grand Canyon gestiegen. Das alles sind unglaubliche Erfahrungen, die mich oft genug auch auf neue Ideen bringen.

Sofern ich eine gute Idee habe, könnte ich mir schon vorstellen, auch einmal einen Roman in Deutschland oder allgemein Europa anzusiedeln.

LL: In „Abgründe des Verlangens“ überraschen Laurel und Rey eine Gruppe Wilderer und wollen deren Machenschaften beenden. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

MR: Inspiriert wurde die Geschichte natürlich von der Safari, die ich in Südafrika mitgemacht habe und die (beinahe hautnahen) Begegnungen mit der dortigen Tierwelt. Dazu kamen Berichte über Wilderer, die auch vor anerkannten Schutzgebieten nicht halt machen und dabei auch hin und wieder Ranger verletzen oder töten. Natürlich gibt es auch Angestellte, die in den Parks mit den Wilderern gemeinsame Sache machen, um so zusätzlich etwas zu verdienen. Diese Konstellation habe ich für meinen Roman gewählt. Auch dass gutsituierte Herren aus reicheren Ländern Jagdsafaris arrangieren, ist durchaus üblich, auch wenn die Zahl in den letzten Jahren (auch aufgrund schärferer Kontrollen) zurückgegangen ist. Wer sich seine Trophäe selbst schießen will und bereit ist, dafür viel Geld zu zahlen, findet ohne weiteres den passenden Anbieter.

LL: Können Sie uns etwas zu der Widmung in „Abgründe des Verlangens“ sagen? Neben einigen Personen danken sie auch dem Romantischen Bücherforum. Welche Bedeutung hat diese Internet-Community für Sie?

MR: Da ich in den vorangegangenen Büchern nie Danksagungen hatte, fand ich es an der Zeit, mich bei einigen Leuten auf diesem Wege für ihre Hilfe und Unterstützung zu bedanken. Das Romantische Bücherforum (www.die-buecherecke.de) ist mein Heimatforum, in dem ich vor allem als Leserin aktiv bin – die guten Tipps dort sind legendär und vor allem arm machend. Ich fand es toll, eine ganze Gruppe von Leuten zu treffen, die die gleichen Leseinteressen haben wie ich und mit denen ich mich darüber unterhalten kann. Ein weiterer Grund für die Widmung war, dass sie die Neuigkeit über meine erste Veröffentlichung mit so viel Begeisterung und Enthusiasmus aufgenommen haben – das hat mich wirklich sehr gefreut. Genauso die vielen schönen Kommentare, wie viel Spaß sie beim Lesen meiner Bücher hatten, die für mich eine Bestätigung sind, den richtigen Weg gegangen zu sein.

LL: Rey, der Held aus „Abgründe des Verlangens“, wird am Ende von Laurel gerettet. Auch in „Eine unheilvolle Begegnung“ war die Protagonistin eine echte Heldin. War es Ihnen ein Bedürfnis, gegen das Rollenklischee anzuschreiben?

MR: Ich versuche eigentlich immer, meine Personen lebensecht darzustellen und erst gar keine Klischees zuzulassen. Mit Sam (Eine unheilvolle Begegnung) wollte ich eine Heldin erschaffen, die ihren Weg geht, sehr in sich ruht und deshalb stark genug ist, alles zu meistern, was auf sie zukommt. Vor allem wollte ich aber auch einen Akzent zu ‚Riskante Nähe’ setzen, in dem ja die Männer grundsätzlich die stärkeren Rollen hatten (auch wenn die Frauen nicht ohne waren). Bei ‚Abgründe des Verlangens’ sehe ich das eher als gleichmäßig verteilt – während der Safari ist Rey der Stärkere, weil er in seinem Element ist, während Laurel mit der Wildnis nicht so viel anfangen kann. Später dann wächst Laurel durch die Umstände über sich hinaus, um Rey und natürlich auch sich selbst zu retten. Für mich ist das realistisch – Frauen können sehr viel bewirken, wenn sie wollen.

LL: Sie sind keine hauptberufliche Autorin. Wie schwer ist es, Job, Privatleben und das Schreiben unter einen Hut zu bekommen?

MR: Ich wünsche mir manchmal, der Tag würde ein paar Stunden mehr haben (oder wahlweise die Woche ein längeres Wochenende), denn wenn man ernsthaft schreibt, kommt man kaum noch zu etwas anderem, wenn man dazu noch einen (anstrengenden) Vollzeitjob hat. Normalerweise sieht es so aus, dass ich um 17 Uhr zu Hause bin, etwas esse und mich dann gleich an den PC setze, den ich erst wieder ausschalte, wenn es Zeit ist, ins Bett zu gehen. Auch am Wochenende schreibe ich mindestens jeweils einen halben Tag, manchmal auch länger. Klar, dass dabei sämtliche anderen Hobbys zu kurz kommen, teilweise komme ich nicht einmal mehr zum Lesen. Glücklicherweise ist mein Mann sehr tolerant und hat auch selbst genug zu tun, sodass es da keine Probleme gibt. Nachdem gerade das neueste Manuskript beendet ist, habe ich beschlossen, eine kurze Auszeit zu nehmen und mich ein wenig zu erholen (und zu lesen!), bevor ich im Januar mit dem nächsten Manuskript beginne.


Interview zur Veröffentlichung von ‘Abgründe des Verlangens’ im Bertelsmann Club Frühjahr 2005.

Das Interview führte Iris Grädler, es erschien im Frühjahr 2005 auf der Homepage von Bertelsmann Club.

IG: Sie sind Diplom-Bibliothekarin und arbeiten ganztags als Leiterin einer Institutsbibliothek. Wie finden Sie Zeit zum Schreiben und wann schreiben Sie?

MR: Als ich anfing zu schreiben hatte ich einen etwas ruhigeren Job, zwar auch ganztags, aber das Schreiben war ein guter Ausgleich dazu. Seit 2001 leite ich nun Institutsbibliotheken und die Belastung ist natürlich wesentlich höher. Trotzdem würde ich das Schreiben nicht aufgeben wollen, es ist ein Teil meines Lebens und macht mir sehr viel Spaß. Wenn ich nachmittags von der Arbeit komme, esse ich und setze mich danach meist sofort wieder an den Computer und schreibe bis ich Schlafen gehe. Am Wochenende fällt es mir natürlich viel leichter, weil ich mehr Ruhe zum Schreiben habe.

IG: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Wie ist Ihr erster Roman entstanden?

MR: Ich habe immer viel gelesen, meist Liebesromane, Thriller und Fantasy, hätte aber nicht im Traum daran gedacht, einmal selbst zu schreiben. Während viele andere Autoren mit kürzeren Geschichten bereits in ihrer Jugend mit dem Schreiben begonnen haben, war es bei mir eine Entscheidung von einem Tag auf den anderen. 1999 hatte ich in Vorbereitung auf einen USA-Urlaub in verschiedenen Reiseführern geblättert und bin dabei auf ein Foto des Fiery Furnace im Arches National Park gestoßen, einem Schluchtenlabyrinth aus Buntsandsteinsäulen. Dadurch entstand die Idee zu einer Geschichte über diesen Park, über Ranger und eine Gefahr, vor der die Heldin flieht. Ich fing an sie aufzuschreiben. Drei Jahre später war das Buch fertig und erschien mit dem Titel ‚Canyon der Gefühle’ im Moments Club.

IG: Ihre Romane spielen in der großen weiten Welt, vor allem in Amerika. Haben Sie eine besondere Beziehung zu diesem Land?

MR: Ich liebe die Landschaft dort, vor allem den Südwesten der USA. Die Gesteinsformationen, die weite Wüste, aber auch die Wälder, Flüsse und Seen weiter nördlich. Besonders beeindrucken mich die Vielfalt und die scheinbar unendliche Weite der Landschaft. Dadurch lasse ich mich immer wieder zu neuen Geschichten inspirieren und ich versuche, meine Faszination und Begeisterung in meinen Büchern zu verarbeiten und auch an die Leser weiterzugeben. Inzwischen habe ich dort etliche Male Urlaub gemacht und kann mich kaum bremsen, immer wieder dorthin zu fahren.

IG: Sind Sie selbst ein abenteuerlustiger Mensch?

MR: Nein, eher nicht. Es kommt aber darauf an, was unter Abenteuer verstanden wird. Ich reise sehr gerne und entdecke neue Länder für mich, tauche ab in die Wildnis, aber es muss immer ein gewisses Maß an Zivilisation in der Nähe geben. Mir reicht es als Abenteuer völlig, wenn ich z.B. in einem Zelt liege und mir vorstelle, dass jederzeit ein Bär auftauchen könnte (die frischen Kratzspuren an den Bäumen waren nicht zu übersehen). Vielleicht schreibe ich, um meine Helden all die Dinge erleben zu lassen, die ich selber lieber vermeide.

IG: In "Abgründe des Verlangens" entführen Sie Ihre Leserinnen nach Afrika. Sie beschreiben eine nicht ungefährliche Safari. Beruht die Idee zu diesem Roman auf eigenen Erlebnissen?

MR: Die Grundidee der Safari beruht auf meinen Erlebnissen bei einer Wochenendsafari durch den Umfolozi Park. Ich wollte zeigen wie eine Safari dort wirklich aussieht, im Gegensatz zu dem, was häufig in Filmen oder Büchern beschrieben wird. Natürlich trifft das nur auf den Anfang zu, der Rest ist Fantasie. Aber es könnte durchaus so passieren, denn wir sind auch einer Gruppe Nashörner etwas zu nahe gekommen und haben die Unruhe der Tiere gespürt, ihr Stampfen und schließlich ihre krachende Flucht durch die Büsche. Es hätte genauso gut anders ausgehen können, wenn die Tiere auf die Idee gekommen wären, uns Eindringlinge anzugreifen. Während man sonst in den südafrikanischen Parks meist vom Auto aus die Tiere beobachtet, merkt man erst wie klein, unbedeutend und schutzlos man eigentlich ist, wenn man zu Fuß durch die Wildnis marschiert.

IG: Spannungsromane erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Was reizt sie als Autorin persönlich an Romantik-Thrillern?

MR: Die Möglichkeit, nicht einfach nur eine Liebesgeschichte zu schreiben, sondern gleichzeitig auch eine spannende Geschichte zu erzählen. Es ist genau das, was ich selber auch sehr gerne lese: spannende Geschichten gepaart mit heißer Liebe. Meine Helden werden durch Ereignisse zusammengeworfen, die außerhalb ihrer Macht liegen und durch die sie sich hindurchkämpfen müssen, bevor sie zu ihrem wohlverdienten Happy End kommen. Ich habe nicht besonders viel Geduld mit Romanhelden, die sich und ihrem Glück selbst im Weg stehen, daher mag ich es, wenn der Konflikt nicht in Missverständnissen oder Eifersüchteleien liegt, sondern es Hindernisse gibt, die so groß scheinen, dass fast bis zum Ende nicht klar ist, ob sie überhaupt (relativ) ungeschoren davonkommen werden. In sehr vielen Thrillern findet man heutzutage zumindest eine kleine Liebesgeschichte am Rande, ich gehe noch einen Schritt weiter und gebe der Romanze den gleichen Stellenwert wie der Spannung. Die Handlung wird durch die Spannung vorangetrieben, genauso wie sich die Liebesgeschichte durch die Thrillerelemente entwickelt. Das eine wäre ohne das andere bei meinen Geschichten nicht möglich, sie gehören untrennbar zusammen.

IG: Wie lange schreiben Sie an Ihren Büchern?

MR: Derzeit etwa ein halbes Jahr pro Buch.

IG: Unter welchen Bedingungen können Sie am besten schreiben?

MR: Mit viel Ruhe und einem ordentlichen (aufgeräumten) Arbeitsplatz. Möglichst mit weißer Wand vor mir, weil ich sonst zu sehr abgelenkt werde. Hin und wieder höre ich auch gerne passende Instrumentalmusik (z.B. Musik mit Native American Einflüssen) dazu, Gesang stört mich dagegen.

IG: Ihre Bücher sind wahre Page-Turner und Sie gelten als die beste deutsche Autorin romantischer und spannender Liebesromane, und werden mit den "großen" amerikanischen Autorinnen Nora Roberts und Judith McNaught verglichen. Sind diese Autorinnen auch Ihre persönlichen Vorbilder?


MR: Nora Roberts und Judith McNaught sind sehr gute Autorinnen, die sehr schöne und spannende Bücher geschrieben haben. Ich fühle mich geehrt, mit ihnen verglichen zu werden. Allerdings kann ich nicht sagen, dass ich bestimmte Vorbilder habe. Es gibt einige Autorinnen, die ich sehr gerne lese, wie z.B. Linda Howard, Lisa Gardner und andere, aber ich würde es nie wagen so zu schreiben wie sie. Ich versuche einfach meinen eigenen Stil durchzusetzen, eines der größten Komplimente von Lesern ist für mich wenn sie sagen: ‚Das Buch war ein typischer Michelle Raven’.

IG: Ihre Romane sind nicht nur atemberaubend spannend, sie sprühen auch vor Leidenschaft, Erotik und Romantik. Möchten Sie mit Ihren Romanen Ihren Leserinnen ein Stück weit Lebensfreude und Glück vermitteln?


MR: Ja, ich denke das ist die Grundaussage eines jeden Liebesromans. Die Liebe überwindet alle Hindernisse. Selbst wenn alles dagegen spricht, dass sie den nächsten Tag erleben werden, finden meine Helden zueinander, nehmen sich ihr Glück und halten es mit beiden Händen fest. Und dadurch, dass sie ein perfektes Team sind, jeder für den anderen alles tun würde, überwinden sie die scheinbar ausweglose Situation, in die das Schicksal (vielmehr ich!) sie geführt hat. Sie haben meist nicht so viel Zeit miteinander wie im ‚normalen’ Leben, also nutzen sie jede Sekunde, die sie zusammen sein können.

IG: Wie wichtig ist das Happy End in Ihren Romanen?


MR: Ich würde niemals eine Geschichte ohne Happy End schreiben. Meine Geschichten sollen Spaß machen, die Leser sollen das Buch befriedigt zuklappen und sich gut fühlen. Die Leser verfolgen die Geschichte der Helden, leiden mit ihnen, freuen sich mit ihnen, bangen mit ihnen und um sie. Wenn ich Held und Heldin am Ende nicht zusammenbringen oder sie vielleicht sogar töten würde, wäre dieser Faden zerschnitten. Ich möchte, dass die Leser gerne an die Helden denken, dass sie sich vielleicht sogar fragen, wie ihr Leben weiter aussehen wird, wie es ihnen geht. Dafür brauche ich keine Hochzeit oder sogar noch ein Baby obendrein, wie es in amerikanischen Liebesromanen fast immer der Fall ist, sondern nur den Hinweis am Ende, dass die Helden sich ihr Leben so einrichten, dass sie zusammen sein können. Das ist für mich ein Happy End.

IG: Schreiben Sie derzeit an einem neuen Roman?

MR: Ich habe meinen nächsten Roman gerade beendet (ein Roadmovie durch den Südwesten der USA, natürlich wieder mit viel Spannung und Liebe) und schreibe derzeit an der nächsten Hunter-Geschichte.

IG: Welche Bedeutung hat es für Sie als Autorin, dass Ihr Roman "Abgründe des Verlangens" als Club Premiere erscheint?


MR: Ich habe mich sehr darüber gefreut, "Abgründe des Verlangens" als Club Premiere zu sehen. Es ist toll, im Hardcover veröffentlicht zu werden, vor allem in der schönen Ausstattung wie sie vom Club geboten wird. Es ist eine Ehre, neben so vielen bekannten Autoren als Premiere veröffentlicht zu werden. Das zeigt mir, dass ich mit meinen Geschichten auf dem richtigen Weg bin.


Interview im LoveLetter Nr. 3, Juni 2005

LL: Wie kamen Sie dazu Liebesromane zu schreiben?

MR: Ich habe immer sehr gerne Liebesromane gelesen und daher war es für mich überhaupt keine Frage, dass die Geschichte, die mir einfiel garantiert ein Liebesroman, genauer gesagt ein Romantic Suspense, werden würde. Also habe ich mich einfach hingesetzt und angefangen zu schreiben. Und es bis heute nicht bereut, denn es macht einfach Spaß, sich immer neue Geschichten auszudenken, immer neue Charaktere auf ihrem Weg zum Glück zu begleiten.

LL: Wie reagieren Familie, Freunde und Kollegen auf Ihre Leidenschaft?

MR: Da ich vor meiner ersten Veröffentlichung niemandem davon erzählt hatte, waren Familie und Freunde doch erst einmal etwas überrascht als ich ihnen mein erstes Buch ‘Canyon der Gefühle’ präsentierte. Dann haben sie sich aber schnell daran gewöhnt und erwarten nun immer ihr persönliches Exemplar sowie das nächste Buch herauskommt. Meinen Kollegen habe ich nie erzählt, dass ich schreibe.

LL: Südafrika, der Westen der USA, Costa Rica. Wohin werden Sie Ihre Leser noch entführen?

MR: Ach, mal sehen was mir noch alles so einfällt. Auf jeden Fall wird demnächst noch Kanada dazukommen, die Idee steht schon, ich muss das Buch nur noch schreiben. Sehr gerne würde ich noch Australien und/oder Neuseeland dazu nehmen, allerdings war ich dort noch nie und ich schreibe lieber über Orte, die ich selber schon gesehen habe. Eigentlich möchte ich kein Land ausschließen, schließlich gibt es überall viel zu entdecken.

LL: Gibt es Settings, denen Sie als Leserin nicht widerstehen können?

MR: Dschungel mag ich sehr gern, genauso wie die Canyons im Südwesten der USA. Auf jeden Fall sollte es ein Romantic Suspense sein, der besonders spannend ist. Aber eigentlich lege ich beim Kauf dann doch mehr Wert auf den Plot, denn was nützt das schönste Setting, wenn dann nicht das daraus gemacht wurde, was ich erwartet habe?

LL: Hat Sie ein Setting je zu einem Urlaub inspiriert?

MR: Man könnte schon sagen, dass mich die Bücher über den Südwesten der USA durchaus auch zu meinen Urlauben inspiriert haben, vor allem aber Bilder der fantastischen Landschaft dort. Sowie ich ein Foto vom Grand Canyon oder den Canyonlands (oder irgendeinem der anderen Parks dort) sehe, spüre ich ein sehnsüchtiges Ziehen in mir und könnte sofort in ein Flugzeug steigen und wieder dorthin fliegen. Ich gebe es zu, in diesen Momenten rufe ich gleich im Internet die Seiten der Fluggesellschaften auf und sehe nach ob es günstige Flüge gibt. ;-)


Interview April 2004 in Steffis Bücherkiste

SB: Auch wenn Dich viele als "normale Leserin" aus dem romantischen Bücherforum kennen, stelle Dich doch ein wenig den Besuchern der Bücherkiste vor. Deine Hobbys, Familie, etc.

MR: 1972 in Hannover geboren und dort aufgewachsen verbrachte ich fast mein gesamtes bisheriges Leben in der niedersächsischen Landeshauptstadt. 2001 zog ich beruflich bedingt nach Köln. Ich bin Diplom-Bibliothekarin und arbeite ganztags als Leiterin einer Institutsbibliothek, daher kann ich derzeit nur in meiner Freizeit schreiben. Ein weiteres zeitverschlingendes Hobby ist Lesen, am liebsten natürlich Liebesromane, aber auch Krimis und Fantasy lese ich sehr gern. Früher habe ich mich häufig kunsthandwerklich betätigt, von Zeichnungen über Puppen bis hin zu Tiffany war eigentlich alles dabei. Leider habe ich im Moment nicht mehr genug Zeit dafür. Außerdem liebe ich es, mit meinem Mann zu verreisen, eines meiner Lieblingsziele ist der (Süd-) Westen der USA. Videofilmen und -schneiden gehört für mich zu meinen Urlauben dazu, genau wie das Stöbern in unzähligen Reiseführern.

SB: Du bist einen eher ungewöhnlichen Weg als Autorin gegangen. Deine ersten beiden Romane "Canyon der Gefühle" und "Riskante Nähe" erschienen im Spezialclub "Moments", der mittlerweile als Idee verkauft wurde und nun als Verlag "Moments" weitergeführt wird. Wie kam es zum Kontakt mit Moments und wie kamst Du überhaupt zum Schreiben?

MR: Ich würde nicht sagen, dass mein Weg ungewöhnlicher war als der anderer Autoren, schließlich sind deutsche Autoren generell Quereinsteiger. 1999 habe ich mit dem Schreiben begonnen, davor habe ich Liebesromane gelesen, aber nie daran gedacht, selber einmal einen Roman zu schreiben. Die Idee zu 'Canyon der Gefühle' kam mir, als ich in einem Reiseführer über den Südwesten der USA blätterte und dabei auf den Arches National Park stieß und ein Bild des Fiery Furnace, ein Schluchtenlabyrinth aus Buntsandsteinsäulen, betrachtete. Ich überlegte mir was wäre wenn dort eine Frau herumirren und von einem Ranger gerettet werden würde. In den nächsten Monaten und Jahren kamen mir immer mehr Ideen zu der Geschichte. Insgesamt drei Jahre habe ich daran geschrieben, allerdings mit langen Pausen dazwischen. Irgendwann gab ich Ina (den Lesern aus dem Romantischen Bücherforum und dem Romantic Suspense-Forum sicher gut bekannt) ein paar Kapitel zu lesen. So lief das einige Monate, bis ich irgendwann mit dem Buch fertig war und Isolde Wehr, als Herausgeberin des Moments-Programms beim Bertelsmann Club beschäftigt, zur gleichen Zeit zufällig ein Manuskript einer deutschen Autorin benötigte. Ich habe meine Geschichte hingeschickt, sie gefiel Isolde und das Buch wurde als Oktober-Premiere 2002 herausgebracht. An 'Riskante Nähe' habe ich dann nur noch 4 Monate geschrieben, das Manuskript an Isolde geschickt und sie war sofort begeistert.

SB: Woran arbeitest Du gerade? Kannst Du uns einen Ausblick auf weitere Bücher geben?

MR: Derzeit arbeite ich an einem Buch, das wieder im Südwesten der USA spielt. Es ist ein Roadmovie mit einer Heldin, die genau weiß was sie will - und mehr bekommt, als sie gedacht hätte. Für ihr Mundwerk benötigt sie einen Waffenschein, während der Held eher schweigsam ist und eigentlich nicht so recht weiß was er mit ihr anfangen soll. Außer das Offensichtliche, natürlich. ;-) Dann habe ich noch den nächsten Hunter-Roman in Arbeit, er spielt in Washington, DC und es kommen natürlich auch wieder einige andere Mitglieder der Familie darin vor. Mein viertes Buch, das in Südafrika und am Grand Canyon spielt, ist bereits fertig und auf Verlagssuche.

Ich habe noch einige mehr oder weniger ausgearbeitete Buchideen in meinem Computer, die ich nach und nach schreiben werde. Natürlich kann ich darüber derzeit noch nicht viel sagen, außer, dass natürlich die restlichen Hunters dabei sind, Zach Murdock, einige SEALs und natürlich plane ich auch für einige andere Nebenfiguren noch Geschichten. Leider kann ich - auch durch meine beruflichen Verpflichtungen bedingt - nicht so schnell schreiben wie ich gerne möchte, also müssen sich meine Leser leider noch eine Weile gedulden.

SB: Du bist selber begeisterte Liebesromanleserin. Ist dies auch der Grund dafür, dass Du ausgerechnet Liebesromane schreibst? Könntest Du Dir vorstellen auch einmal etwas anderes zu schreiben?

MR: Ja, ich liebe Liebesromane, vor allem solche, die mit Spannung verbunden sind. Deshalb war auch die erste Geschichte, die mir einfiel, eine Story mit viel Liebe und einem guten Schuss Nervenkitzel. Derzeit könnte ich mir nicht vorstellen etwas anderes zu schreiben, aber wer weiß schon was in einigen Jahren ist.

SB: Was reizt Dich am Liebesroman und hier besonders an Romantic Suspense?

MR: Der Liebesroman ist für mich eine Möglichkeit, die Leser (und natürlich auch mich selbst) mit einer interessanten, kurzweiligen Geschichte zu unterhalten, die am Ende (natürlich erst nach vielen Verwicklungen) positiv ausgeht. Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger die Leser zu irgendwelchen geistigen Verrenkungen zwingen, sondern einfach nur ein paar spannende, erfreuliche Stunden schenken, in denen sie in eine andere Welt eintauchen können. Romantic Suspense ist genau das was ich auch sehr gerne lese: spannende Geschichten gepaart mit heißer Liebe. Meine Helden werden durch Ereignisse zusammengeworfen, die außerhalb ihrer Macht liegen und durch die sie sich hindurchkämpfen müssen bevor sie zu ihrem wohlverdienten Happy End kommen. Ich habe nicht besonders viel Geduld mit Romanhelden, die sich und ihrem Glück selbst im Weg stehen, daher mag ich es wenn der Konflikt nicht in Missverständnissen oder Eifersüchteleien liegt, sondern es Hindernisse gibt, die so groß scheinen, dass fast bis zum Ende nicht klar ist, ob sie überhaupt (relativ) ungeschoren davonkommen werden.

SB: Deine Liebe zum Süd-Westen Amerikas ist offensichtlich. Du warst selbst schon einige Male dort und es gibt wunderbare Fotos auf Deiner Homepage. Was reizt Dich an der Landschaft, die bisher auch schon öfters als Setting Deiner Romane benutzt wurde?

MR: Um nicht gleich wieder einen Roman über den Südwesten und die Landschaft dort zu schreiben, versuche ich mich jetzt kurz zu halten. ;-) Die Landschaft im Südwesten ist einfach gewaltig, man kommt sich als Mensch ziemlich winzig und unwichtig vor, wenn man inmitten der riesigen Steinformationen steht, die in Millionen von Jahren von Wasser, Vulkanismus und/oder Wetter gebildet wurden. Der Westen der USA ist übersät mit einzigartigen, grandiosen, vielfältigen National Parks, für die man Jahre bräuchte um sie alle in Ruhe zu besuchen. Ich kann jedem nur empfehlen sich die Gegend selber anzuschauen, es lohnt sich wirklich. Mitunter ist es in den Parks zwar an den gut erreichbaren Sehenswürdigkeiten recht voll, aber man braucht wirklich nur ein paar hundert Meter weiter zu gehen und schon steht man alleine am Rand des Grand Canyons (um ein Beispiel zu nennen). Die roten Steinlandschaften des Arches, die Wälder und heißen Quellen des Yellowstone oder auch die wüste Landschaft des Colorado Plateaus bilden interessante, farbige Hintergründe für die Geschichten, die ich erzählen möchte. Ich lebe zwar in Städten, aber im Urlaub zieht es mich immer in die Natur. Diese Liebe habe ich wohl auf meine Romanfiguren übertragen.

SB: Das Schreiben betreibst Du momentan noch neben Deinem Hauptberuf der Bibliothekarin. Hast Du überhaupt genug Zeit zum Schreiben und wie bringst Du Schreiben, Beruf und Familie unter einen Hut? Könntest Du Dir vorstellen, Deinen Beruf einmal für das Schreiben aufzugeben? Wissen Deine Kollegen von Deinem "Nebenjob" und was halten sie davon?

MR: Wieviel ist genug Zeit? Derzeit schreibe ich ein Buch in ungefähr einem halben Jahr. Ich denke, das gibt mir, aber auch den Lesern, genug Zeit, sich ein wenig vom vorhergegangenen Buch zu distanzieren. Recherche und das Sammeln von Ideen braucht auch ein wenig Zeit, ich glaube wenn ich zu schnell schreiben würde, würden mir einige gute Ideen verloren gehen. Mein Arbeitspensum sieht momentan so aus, dass ich ganztags arbeite, dann nach Hause komme, esse und mich danach meist sofort wieder an den Computer setze und schreibe bis entweder etwas Interessantes im Fernsehen kommt (eher selten) oder ich ins Bett gehe. Am Wochenende habe ich etwas mehr Zeit, aber wenn mir die Stunden dann wieder durch die Finger rinnen, ohne dass ich etwas geschrieben hätte, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Trotzdem würde ich meinen Beruf nicht aufgeben, im Moment habe ich als Leiterin einer Institutsbibliothek einen sehr interessanten Arbeitsplatz. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen den ganzen Tag nur zu Hause zu sitzen und zu schreiben. Ich brauche die Abwechslung. Außerdem ist es auch sehr schwierig in Deutschland als Liebesromanautorin vom Schreiben zu leben, den Stress will ich mir nicht antun. Meine Kollegen an der Universität wissen nichts von meinem 'Hobby' und ich lege es auch nicht unbedingt darauf an, dass sie es herausfinden.

SB: Du hast bereits auch einige Lesungen veranstaltet. Wie ist es, wenn man nun aus dem eher abgekapselten Schreibprozess hinaus geht und sich mit seinen Lesern trifft? Deine Schriftstellerkarriere kam ja auch sehr unerwartet und plötzlich. Ist der ganze Wirbel mittlerweile normal für Dich geworden oder ist es immer noch neu und aufregend?

MR: Von Karriere kann keine Rede sein und Wirbel habe ich auch noch nicht erlebt. Da meine erste Lesung bereits zwei Wochen nach Erscheinen meines ersten Buches stattfand, wurde ich ziemlich schnell ins kalte Wasser geworfen. Also musste ich mich sehr schnell daran gewöhnen, dass ein wenig Öffentlichkeitsarbeit heute einfach dazu gehört. Deshalb habe ich auch bereits zur Veröffentlichung meines ersten Buches meine Homepage ins Internet gestellt (www.michelleraven.de) über die ich den Lesern Neuigkeiten mitteilen kann und über die sie auch Kontakt zu mir aufnehmen können. Ich finde es schön, wenn ich meine Leser persönlich treffen kann, allerdings sind mir private Gespräche lieber als Massenveranstaltungen mit viel Publikum und wenig Zeit mich wirklich mit den Lesern zu unterhalten. Natürlich bin ich immer noch aufgeregt, wenn ich eine Lesung halten soll und ich denke, das wird sich auch in nächster Zeit nicht ändern. Es ist so ruhig um mich, dass ich sehr gut auch weiterhin meiner Arbeit und auch dem Schreiben nachgehen kann, ohne dass es mich sehr belastet. Natürlich ist es sehr aufregend, ein Buch zu veröffentlichen und dann die ersten Reaktionen der Leser zu 'hören'. Ich hatte bisher sehr viel Glück und überwiegend sehr positive Rezensionen und sehr nette Mails oder Forumsnachrichten. Überhaupt habe ich bisher sehr viel Unterstützung durch die Bücherforen (allen voran das 'Romantische Bücherforum') erhalten und zwar seit dem Moment als ich das erste Mal erzählt habe, dass ich 'Canyon der Gefühle' geschrieben habe. Auf diesem Wege noch einmal vielen Dank dafür!

SB: Erzähle uns doch ein wenig von Deinem Autoren-Alltag. Wie schreibst und recherchierst Du? Was findest Du schwierig und was geht Dir leicht von der Hand?

MR: Meist dauert es einige Zeit bis ich mit dem Schreiben anfange. Irgendwann habe ich eine Idee, sammele einige Ereignisse, die in der Geschichte passieren könnten, denke mir aus wie die Personen aussehen, was sie von Beruf sind, was für Eigenschaften sie haben, was sie antreibt. Dann lasse ich meine ersten Ideen und Ausarbeitungen 'sacken' (das können auch durchaus einige Monate bis Jahre sein), notiere mir aber zwischendurch neue Ideen dazu. Wenn ich dann irgendwann denke, ich habe genug gesammelt um mit dem Schreiben beginnen zu können, rufe ich ein neues Dokument auf und fange an. Ich schreibe chronologisch, also das Buch von vorne nach hinten durch. Natürlich habe ich vorher schon Ideen zu Ereignissen die später geschehen, aber ich könnte nie einen homogenen Handlungsablauf erstellen, wenn ich die Geschichte nicht genau so schreiben würde wie sie passiert. Den Handlungsort suche ich mir sehr genau aus und sammle dazu Informationen aus Reiseführern, Karten und dem Internet - und natürlich auch aus meinem Gedächtnis. Wenn ich dieses Grundgerüst habe, recherchiere ich danach meist, wenn ich an die jeweilige Stelle im Buch komme. Das Internet ist wirklich eine tolle Erfindung, man kann zu fast jedem Thema etwas finden. Schwierig finde ich es, vor einer leeren Seite zu sitzen und anfangen zu müssen zu schreiben. Ich habe mir angewöhnt, wenn möglich mitten in einer Szene aufzuhören (manchmal sogar mitten in einem Satz) weil ich dann schneller wieder in die Geschichte hineinfinde und bereits weiß wie es weitergehen soll. Außerdem sind Übergangsszenen für mich nicht einfach zu schreiben. Was bei mir schnell und leicht geht sind Actionszenen und Liebesszenen, bei denen ich immer viel Spaß habe.

SB: Durch das Lesen von Liebesromanen und den Austausch im romantischen Bücherforum bist Du immer gut über den Liebesromanmarkt informiert. War das beim Schreiben und veröffentlichen für Dich ein Vorteil? Mittlerweile bist Du zudem Mitglied bei Delia, der Vereinigung deutscher Liebesromanautoren, die ebenfalls viel tut, um die Akzeptanz von Liebesromanen zu fördern.

MR: Es ist natürlich von Vorteil zu wissen was die Leser gerne mögen und welche Art von Büchern sie am Liebsten lesen. Allerdings hat das für mich keinerlei Einfluss auf das was ich schreibe, denn da kann ich nur danach gehen was mir selber gefällt. Gefällt es mir nicht, kann ich auch nicht darüber schreiben. Wenn man selber viel liest und auch Liebesromane liest, lernt man dabei natürlich auch ein wenig über den Aufbau der Romane, man kann gut herausfinden, was einen selbst berührt. Mit dem Veröffentlichen hat das aber wenig zu tun. Denn auch wenn in den Foren sehr viele Liebesromankenner und -liebhaber sind, ist es doch nur ein kleiner Teil der Käuferschicht. Wenn im Forum viele Leser meine Bücher mögen, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Bücher auch außerhalb des Internets Abnehmer finden. Und es ist nun einmal ein Fakt, dass in Deutschland historische Romane einfach am Besten laufen. Trotzdem werde ich weiterhin Romantic Suspense schreiben, denn das ist es was mich interessiert. Ich bin Gründungsmitglied von DeLiA. Inzwischen sind wir schon 29 Autoren und wachsen stetig weiter. Es ist wirklich eine tolle Sache, andere Autoren zum Austausch zu haben, seien es Recherchefragen, schreibtechnische Fragen oder Informationen zu Verlagen, irgendjemand kann immer helfen. Außerdem hilft die Vereinigung auch dabei einen besseren Überblick über das Verlagswesen, rechtliche Fragen oder das Autorendasein zu haben.

SB: Hast Du eine Lieblingsautorin? Was liest Du gerade?

MR: Ich habe mehrere Autoren die ich sehr gerne lese, zum Beispiel Linda Howard, Suzanne Brockmann, Iris Johansen und Karen Robards. Derzeit lese ich gerade 'Mercy' von Julie Garwood, und ich muss sagen, dass es mir bisher sehr gut gefällt.

SB: Vielen Dank für das Interview!

MR: Bitte, gern geschehen.


Workshop Romantic Suspense

[abgedruckt im LoveLetter Nr. 8, November 2005]

1. Definition

Romantic Suspense oder Romantik Thriller ist, wie der Name schon sagt, eine Mischung aus Liebesroman und Thriller. Generell lässt sich sagen, dass es darum geht, Spannung und Liebe so zu verbinden, dass eine überzeugende Geschichte entsteht. Meist spielen Romantik Thriller in der Gegenwart, allerdings gibt es auch historische und sogar futuristische Romane. Dazu noch paranormale Elemente – es ist ein vielfältiges Genre.

Leser von Romantik-Thrillern kommen meist aus dem Liebesromanbereich, weniger aus dem Thriller/Krimibereich. Daher wird meist auch sehr viel Wert auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Thriller und Romantik gelegt. Während in einem 'normalen' Thriller die Hauptpersonen gerne auch unsympathisch sein oder sogar sterben können, erwarten die Leser eines Romantik-Thrillers, dass die Personen sympathisch sind (oder sich zumindest dahingehend während der Geschichte entwickeln) und vor allem, dass sie überleben.

Viele Leser von Romantic Suspense mögen ein ausgewogenes Verhältnis von Spannung und Liebe, die Spannung sollte sich dabei das ganze Buch über halten und die Liebesgeschichte sich glaubwürdig entwickeln. In diesem Genre gibt es auch Bücher, die sich fast nur auf den Thrilleranteil stützen, andere, bei denen die Liebesgeschichte im Vordergrund steht und die Spannungselemente nur schmückendes Beiwerk sind. Allerdings sind es dann meiner Meinung nach reine Thriller oder Liebesromane.

2. Setting

Romantic Suspense unterteilt sich noch einmal in verschiedene Untergenres, wie z.B. Military Romance (spannende Liebesgeschichten im Militär-Milieu, eine der bekanntesten Autorinnen ist hier wohl Suzanne Brockmann) und bietet eine riesige Vielfalt an Settings. Das Setting ist mehr als nur eine Beschreibung der Umgebung, sondern kann einer Geschichte die richtige Atmosphäre verleihen und damit auch die Spannung erhöhen. In einem gut gemachten Romantic Suspense ist das Setting wie ein Nebendarsteller. Es beeinflusst die Charaktere und ist gleichzeitig ein Teil ihrer Persönlichkeit. Das wichtigste an einem Setting ist die Glaubwürdigkeit. Egal welchen Schauplatz man als Autor wählt, der Leser muss sich hineinversetzen können. Er muss es fühlen, sich vorstellen, er würde selber dort leben, nachvollziehen können, wie die Charaktere sich dort bewegen. Dabei ist es unwichtig, ob es sich bei der Geschichte um eine wilde Verfolgungsjagd zwischen den Helden und ihren Gegnern oder um ein in einer Hütte eingeschneites Paar handelt – beides kann gleich spannend sein, wenn die Stimmung passt. (Mehr zu Setting, siehe meinen Workshop im Loveletter Nr. 3, Juni 2005).

3. Charaktere

Typische Berufe der Protagonisten sind natürlich Polizisten, Detektive, Agenten, Gerichtsmediziner, Militärangehörige, Anwälte, Journalisten, Bodyguards, Spione, also alles was mit Verbrechensbekämpfung zu tun hat. Aber es werden auch gerne spannende Geschichten gelesen in denen die Protagonisten vom Beruf her eigentlich nichts mit Verbrechen zu tun haben, aber in eine gefährliche Situation hineingezogen werden. Die Charaktere geben zusammen mit dem Setting auch die Grundstimmung der Geschichte vor. Für eine düstere Stimmung wird gerne eine traurige Vergangenheit von Held und/oder Heldin erschaffen (‚Tortured Heroes’), die sie einholt oder sich zumindest auf das aktuelle Geschehen auswirkt und sei es auch nur durch die Art wie sie mit den anderen Personen umgehen (z.B. ‚Bad Moon Rising’ von Katherine Sutcliffe oder ‚Depth perception’ von Linda Castillo). Genauso ist natürlich auch eine humorvolle Grundstimmung möglich (z.B. Michele Albert ‚Getting her man’).

Sehr wichtig ist auch der Bösewicht. Egal, was er für ein Ziel hat und warum er so ist, wie er ist, der Leser sollte seine Beweggründe nachvollziehen können. Er sollte lebendig wirken, genauso wie die Helden. Noch interessanter wird es, wenn er nicht nur böse ist, sondern auch Überzeugungen und einen Hauch Gutes in sich hat. Linda Howard’s Louis Ronsard aus ‚All the queen’s men’ (‚Gefährliche Begegnung’) ist ein gutes Beispiel dafür. Ein Verbrecher, aber er hat auch eine gute Seite, die er fast niemanden sehen lässt. Dagegen ist Jim Beckett aus Lisa Gardners ‚The perfect husband’ (leider noch nicht übersetzt) einer der fiesesten Bösewichte, die ich je in einem Romantic Suspense gelesen habe. Ihr Können liegt darin, ihn lebendig erscheinen zu lassen, den Leser glauben zu machen, dass es tatsächlich jemanden wie ihn geben könnte. Helden und Bösewicht sollten sich ebenbürtig sein, um die Spannung zu erhöhen.

Jeder Charakter im Romantic Suspense sollte ein Ziel haben – und etwas zu verlieren. Das gilt sowohl für die Helden als auch für ihre Gegner. Im Laufe des Buches werden sie mit ihren Stärken und Schwächen konfrontiert und sollten am Ende als bessere Menschen herauskommen. Bis auf den Bösewicht, der möglichst im Gefängnis oder tot sein sollte. ;-)

4. Suspense

Die Spannung sollte sich wie in allen Thrillern langsam aufbauen. Am Besten startet man mit einem Knall, irgendetwas, das den Leser gleich in die Geschichte hineinzieht, dann baut sich die Spannung langsam auf, es gibt ein paar Momente in denen sich die Charaktere und auch der Leser erholen können, dann folgt eine Phase in der sich alles gegen die Helden verschworen zu haben scheint, ihr Leben scheint verwirkt. In genau diesem Moment mobilisieren sie all ihre Kraft, greifen den Feind noch einmal an – und gehen als Sieger daraus hervor. Dabei kann die Spannung sowohl aus Action bestehen als auch aus einer bestimmten bedrohlichen Stimmung oder eine Mischung aus beidem sein.

Hier ein Beispiel für einen spannenden Einstieg:

Das Auto schlingerte, bevor es quer über die Fahrbahn schoss, direkt auf die Böschung zu. Leigh krallte sich am Sitz fest, den Mund zu einem Schrei geöffnet, doch kein Laut kam heraus. Dann war es auch schon zu spät, der Wagen stieß mit einem ohrenbetäubenden Krachen durch die Barriere, bevor er von der Wucht weiter den Abhang hinunter geschleudert wurde.

[Prolog zu meinem bisher unveröffentlichten nächsten Hunter-Roman.]

5. Romance

Die Liebesgeschichte spielt im Romantic Suspense eine wichtige Rolle. Die erotische Spannung erhöht die durch die Thrillerhandlung verursachte Spannung noch um ein Vielfaches. Schließlich steht am Ende nicht nur das Leben der Protagonisten auf dem Spiel, sondern auch ihre Liebe. Zugleich kompliziert es die Geschichte – Liebe und Leidenschaft sind nie einfach, in einer solchen Situation können sie aber tödlich sein. Liebe und Sex machen eine Person verwundbar und damit potentiell anfälliger für die Angriffe des Bösewichts. Natürlich können diese Charaktere dann auch über sich hinauswachsen, wenn sie merken, dass ihr Partner in Gefahr ist. Besonders spannend wird es, wenn die Beziehung sich in ihrer Intensität gleichzeitig mit der Gefahr erhöht. Je gefährlicher die Situation für Held und Heldin wird, desto höher steigt die sexuelle Spannung, desto dringlicher wird die Leidenschaft, die sie füreinander empfinden.

   Rey schien den gleichen Gedanken zu verfolgen, denn er beugte sich dicht an ihr Ohr. „Ich will sehen, ob die Luft rein ist. Warte hier.“
   „Das ist zu gefährlich! Wenn er darauf wartet, dass du auftauchst, dann …“
   Rey lehnte seine Stirn an ihre. „Das weiß ich, aber wir haben keine andere Möglichkeit. Wir müssen hier weg, und zwar so schnell wie möglich.“
   „Sei bitte vorsichtig ...“
   Ihre Lippen waren einander so nah, dass Rey nicht anders konnte, als sie sanft zu küssen. Dann schob er sie dann langsam von sich. Er setzte sich auf die Fersen und kauerte hinter der großen Wurzel, um vorsichtig hinauszuspähen. Nichts rührte sich, niemand trat aus dem Gebüsch, kein Zweig bewegte sich.

[Auszug aus ‚Abgründe des Verlangens’]

6. Cliffhanger und Atempausen

Wenn am Ende eines Kapitels eine spannende Situation entsteht, die dann erst im nächsten Kapitel aufgeklärt wird, nennt man das einen Cliffhanger. Der Leser wird so praktisch ‚gezwungen’ weiterzulesen, um zu erfahren was geschieht. Hier ein Beispiel aus meinem ersten Buch ‚Canyon der Gefühle’ wo ich den Cliffhanger sehr wörtlich genommen habe. Der Held Shane kämpft mit dem Bösewicht Robert dicht an einem Abgrund um sein Leben – und das der Heldin Autumn.

Auf einmal ging alles ganz schnell. Robert hatte den Moment seiner Unaufmerksamkeit genutzt und ihn mit Armen und Beinen von sich katapultiert. Shane verlor das Messer und bereitete sich auf den Aufprall vor. Doch der kam nicht. Er hatte nicht gemerkt, wie nah sie dem Abgrund gekommen waren. Das Letzte, was er sah, war Autumns vor Schreck verzerrtes Gesicht.

Im nächsten Kapitel setzt sich die Situation fort, diesmal aber aus Autumns Sicht, die glaubt, dass Shane in den Tod gestürzt ist.

Natürlich kann man nicht jedes Kapitel mit einem Cliffhanger beenden, doch es ist ein sehr schönes – und gemeines – Mittel um die Spannung in einer Geschichte aufrecht zu halten. Auf den Leser wirkt es, als wäre er selber in dieser Situation, er muss unbedingt wissen, wie es weitergeht. Die Szene bekommt einen schnellen, atemlosen Charakter.

Es ist gut, den Helden (aber auch den Lesern) hin und wieder eine Atempause zu gönnen, damit sie sich nicht vor dem Ende der Geschichte erschöpfen. Dies geschieht entweder durch die bereits erwähnte sexuelle Spannung und ihre Auflösung (wobei das natürlich auch nicht immer erholsam sein muss), durch emotionale Momente, in denen Glück, Liebe und Hoffnung etwas Licht in die düstere Situation der Helden bringen oder durch unerwarteten Humor. Natürlich sollte dadurch niemals der rote Faden der Story aus dem Auge verloren werden. Nur eine kleine Atempause, dann muss die Spannung die Protagonisten und auch den Leser wieder voll im Griff haben.

7. Das Ende

Nach dem großen Schlusshöhepunkt, aus dem die Helden als Sieger hervorgehen, müssen sämtliche übrig gebliebenen Fäden sowohl des Spannungsplots als auch der Liebesbeziehung sorgfältig verknotet werden. Es sollten keine Fragen mehr offen bleiben – sofern keine Reihe geplant ist.

Wie ein Liebesroman sollte auch ein Romantic Suspense gut ausgehen. Egal was während der Geschichte geschehen ist, wie viele Menschen gestorben sind oder verletzt wurden, wie sehr Held und Heldin gelitten haben, sie haben sich ihr Happy End verdient. Das muss keineswegs eine Hochzeit oder Geburt sein, sondern kann sich auf einen kurzen Ausblick auf die glücklichere, gemeinsame Zukunft der beiden Hauptpersonen beschränken.

Zum Beispiel in Form eines kleinen Epilogs, der noch einmal durch das Schlüsselloch blickt, während Held und Heldin miteinander lachen, sich lieben oder einfach glücklich zusammen sind.

Fazit: Ein guter Romantic Suspense ist ein Roman, der den Leser über Tage hinweg begleitet, der ihn mit Spannung unterhält, ihn mit den Helden zittern, bangen und lieben lässt und den er am Ende mit einem befriedigten Seufzer zuklappt.

Copyright: Michelle Raven, 07. Oktober 2005


Setting-Workshop im LoveLetter Nr. 3, Juni 2005

Außer der eigentlichen Handlung eines Romans ist immer auch das Drumherum wichtig, das der Geschichte ein Gefühl von Echtheit und die zusätzliche Würze verleiht; kurz: das Ganze zu einem runden Gesamtbild formt. Dieses Drumherum wird im allgemeinen Setting genannt und umfasst neben den Schauplätzen auch einige andere Elemente, auf die ich hier näher eingehen möchte.

Das wichtigste an einem Setting ist die Glaubwürdigkeit. Egal welchen Schauplatz man als Autor wählt, der Leser muss sich hineinversetzen können. Er muss es fühlen, sich vorstellen, er würde selber dort leben, nachvollziehen können, wie die Charaktere sich dort bewegen. Seitenlange Beschreibungen wirken dagegen meist langweilig und schildern nur Äußerlichkeiten, bringen aber die Geschichte nicht wesentlich weiter.

Zu den Elementen eines Settings gehören:

- Zeit
- Genre
- Ort des Geschehens
- Grundstimmung

Die erste Entscheidung, die ein Autor zu treffen hat (oder die ihm die gewählte Handlung bereits vorgibt) ist die Zeit, in der seine Geschichte spielt. Ein historischer Schauplatz wird sich natürlich grundsätzlich von einem Gegenwarts- oder futuristischen Setting unterscheiden, nicht nur die Landschaft, die Häuser, die Gebrauchsgegenstände und die sanitären Umstände sondern auch die Personen und die Art wie sie miteinander umgehen und reden.

Sind diese grundsätzlichen Fragen erst einmal geklärt, muss ein passendes Genre gesucht werden. Soll es ein Medieval oder ein Regency sein? Ein Contemporary oder Romantic Suspense? Es gibt unzählige Spielarten von Liebesromanen unter denen man frei wählen kann. Vermutlich wird aber jeder Autor ohne groß vorher darüber nachzudenken wissen, in welchem Genre er schreiben will – ganz nach seinen persönlichen Vorlieben.

Schwieriger wird es dann schon, den für diesen Roman passenden Handlungsort zu finden. Häufig wird dies schon durch die Geschichte vorgegeben, wie z.B. Tess Gerritsens ‚Gravity’ (In der Schwebe), das nur im Weltraum spielen kann. Andere Romane benötigen eine grandiose Landschaft, durch die sich die Charaktere bewegen. Regencys dagegen bewegen sich meist in und um London durch diverse Ballräume und hochherrschaftliche Residenzen. Viele Romane spielen in kleineren oder größeren Städten, manche auf einer Ranch oder sogar nur in einer Hütte. Ganz wichtig ist aber, dass der Autor seinen Handlungsort selber kennt. Sollte es ein real existierender Ort sein, ist eine detaillierte Recherche unabdingbar. Ist es ein fiktiver Ort kann sich der Autor mehr Freiheiten erlauben, sollte aber immer daran denken, dass der Leser das Gefühl haben muss, dass es diesen Ort wirklich gibt. Er muss ‚echt’ wirken.

Alle drei vorher genannten Punkte wirken auf die Stimmung der Geschichte ein. Nehmen wir als Beispiel einen Romantic Suspense, also eine Mischung aus Liebesroman und Thriller, der in der heutigen Zeit spielt. Soll die Geschichte Humor enthalten oder lieber düsterer sein? Das hängt vor allem auch von den Charakteren ab. Haben sie in ihrem Leben schon viel durchgemacht oder sind sie bisher relativ ungeschoren davongekommen? Was geschieht während der Geschichte, werden sie von Mördern gejagt, gibt es Tote? Die Spannung kann sich durch die Umgebung aufbauen (z.B. wenn Held und Heldin von Wilderern durch eine eher feindliche Landschaft in Südafrika gejagt werden) oder von einer Person her aufbauen (z.B. wenn die Heldin bedroht wurde und sich nun selbst in ihrem Haus nicht mehr sicher fühlt). Beides gehört zur Wirkung eines Settings und macht die Geschichte lebendig.

Alle diese Punkte müssen sich perfekt in die Geschichte eingliedern. Nichts darf hervorstechen oder konstruiert wirken. Nur dann werden sich die Leser in der vom Autor kreierten Welt verlieren.

Charaktere im Setting

In einem gut gemachten Romantic Suspense ist das Setting wie ein Nebendarsteller. Es beeinflusst die Charaktere und ist gleichzeitig ein Teil ihrer Persönlichkeit. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Charaktere in ein Setting zu integrieren. Entweder die Person fühlt sich dort in ihrem Element (z.B. ein Cowboy auf einer Ranch, ein Cop in einer Stadt, ein Paläontologe bei einer Ausgrabung), lebt und arbeitet mit der Umgebung oder man versetzt den Charakter in eine Welt in der er sich nicht auskennt und in der er Hindernisse vorfindet, die er dann mit dem ihm zur Verfügung stehenden Wissen und seinen Fähigkeiten überwinden muss(z.B. ein Stadtmensch im Dschungel, ein genialer Wissenschaftler, der außerhalb seines Labors hilflos ist, eine Krankenschwester, die plötzlich in die Welt der Spionage gerät). Ein Setting sollte immer aus der Sicht einer Person beschrieben werden um es lebendig zu machen. Hier einige Beispiele aus meinen Romanen:

„Unglaublich!” Samantha Dyson beugte sich auf Händen und Knien vor, bis ihre Nase fast den Boden des versteinerten ehemaligen Flussbetts berührte. Mit einem weichen, dicken Pinsel entfernte sie vorsichtig weitere Sandkörner. Schließlich richtete sie sich triumphierend auf. Sie hatte es gefunden! Vor ihr lagen die über 145 Millionen Jahre alten Überreste eines in der Jurazeit lebenden gewaltigen Raubsauriers. Zumindest der Kopf davon, ob auch der Rest des Körpers vorhanden war, würde sie bei weiteren Grabungen feststellen müssen. Aber auch so war es ein riesiger Erfolg für sie.

Sam ist Paläontologin, das heißt, sie ist freiwillig auf dem Colorado Plateau und begeistert von der Gegend, der Einsamkeit und ihrer Arbeit. Dementsprechend ist die Beschreibung der Landschaft positiv, es stört sie weder die Hitze, noch der Sand, der in jede Ritze dringt, noch die Tatsache, dass die nächste Stadt sicher 100 Meilen entfernt ist.

Mit ihrer Baseballkappe fächelte sich Laurel Luft zu. Selbst im Schatten wurde die Hitze langsam immer drückender. Es wehte kein Wind, der ein wenig Kühlung gebracht hätte, und der Himmel war gnadenlos blau, ohne den Hauch einer Wolke. Zu ärgerlich, dass sie nicht die kühleren Morgenstunden genutzt hatten, sondern in der Mittagszeit draußen herumlaufen mussten. Wahrscheinlich würde sie bei diesen Temperaturen literweise Flüssigkeit verlieren. Wäre die ganze Tour von vornherein später angesetzt worden, dann hätte sie noch in Ruhe frühstücken können. Ihr fehlte eindeutig Koffein. Ihr Fuß wippte auf und ab, ihre Finger trommelten rhythmisch auf der Sessellehne.

Laurel ist Reporterin und will einen Artikel über eine Wandersafari durch den Umfolozi Park in Südafrika schreiben. Normalerweise zieht sie das Stadtleben vor und dementsprechend ist auch ihre Sicht auf die Umgebung gefärbt. (Und was sie erst sagen wird, wenn sie merkt, dass es in ihrem Zeltlager keine vernünftigen sanitären Einrichtungen gibt, kann sich sicher jeder vorstellen ...)

Niemand antwortete. Nichts rührte sich. Jack wartete ein paar Sekunden, dann schob er die Tür ein Stück auf. Vielleicht war irgendwo ein Telefon. Angewidert betrachtete er den heruntergekommenen Raum. Nein, hier wohnte seit langem niemand mehr. Selbst wenn es ein Telefon gegeben hatte, wäre es inzwischen garantiert abgemeldet. Er wollte gerade wieder umkehren, als sich plötzlich die Tür knarrend bewegte. Sie neigte sich zu ihm und landete dann mit einem lauten Krachen auf dem Boden. Jack konnte gerade noch mit einem Sprung ausweichen, sonst wäre er getroffen worden. Fluchend ging er allen weiteren Gefahrenquellen aus dem Weg, bevor er rasch das Gebäude verließ und es beim nächsten versuchte. Doch auch dieses Haus war unbewohnt – in diesem Geisterort schien wie zu erwarten niemand mehr zu leben. Die Sandschicht in den Häusern wies keine Fußspuren auf, die Stille war absolut. An einem der Häuser hing ein völlig verblichenes Schild mit zahllosen Einschusslöchern: Willkommen in Dead End. Oh ja, willkommen.

Jack hat dagegen ein Problem mit der Situation in der er steckt, sein Truck wurde ihm mitten in der Pampa gestohlen und er versucht nun irgendwo Hilfe zu bekommen, während er gleichzeitig seine Lage verflucht.

Nimmt man nun sein wohlüberlegtes und gut recherchiertes Setting, seine sorgfältig charakterisierten sympathischen Hauptdarsteller und dazu einige lebendig wirkende Nebenpersonen, vielleicht ein paar Schurken und Gegenspieler und lässt alle gemäß der Handlungsidee darin agieren, hat man alle wesentlichen Elemente für einen viel versprechenden Roman zusammen.

Das Setting ist das, was ein Buch letztendlich unvergesslich und einzigartig für den Leser macht und mit dem er bestimmte Erinnerungen assoziiiert. Man stelle sich einmal vor:

Was wäre ...

... „Perfekt“ von Judith McNaught ohne den Winter?

... Scarlett O’Hara ohne die Reifröcke?

... „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ ohne Dschungel?

... Victoria Holts Romane ohne imposantes Herrenhaus?

... Karen Moning ohne die Highlands?

... Nora Roberts „Der weite Himmel“ ohne die Ranch?

... 'Mitternachtsliebe' von Karen Robards ohne das Beerdigungsinstitut?

 Copyright: Michelle Raven, 29.04.2005


Eine kleine Tour durch den großen Westen der USA

[abgedruckt im LoveLetter Nr. 4, Juli 2005]

Trotz ihrer misslichen Lage musste sie zugeben, dass dieser Nationalpark wunderschön war. Massive dunkelrote Felswände, balancierende Steine und die bekannten Felsbögen gaben eine faszinierende Kulisse ab. Hier im Fiery Furnace, einem Schluchtenlabyrinth aus Buntsandsteinsäulen, die in der späten Abendsonne Feuer zu fangen schienen, gab es die moderne Welt nicht mehr. Kein Ton war zu hören außer dem gelegentlichen Singen eines Vogels.

In ‚Canyon der Gefühle’ sind Autumn Howards erste Erfahrungen im Arches National Park nicht gerade positiv: sie verirrt sich im Fiery Furnace und strandet wegen einer Beinverletzung in diesem schönen, aber nicht ungefährlichen Schluchtenlabyrinth. Der 1971 von einem National Monument in einen National Park umgewandelte Arches liegt im Südosten von Utah und sticht besonders durch seine vielen natürlichen Sandsteinbögen hervor. Tausende wurden davon bereits entdeckt – von nur 92 Zentimeter kleinen bis zum über 93 Meter langen Landscape Arch. Die Bögen werden durch Salz, Frost und Wind geformt und verändern sich im Laufe der Zeit immer weiter. Auch die Steinrippen und –säulen des Fiery Furnace sind auf diese Art entstanden und ähneln tatsächlich einem Labyrinth. Immer wieder verirren sich Besucher in dieser Gegend und müssen von den Rangern gerettet werden. Menschen ohne gute Orientierung sollten sich besser einer geführten Gruppe anschließen, es gibt hier keinerlei Wegweiser oder sonstige Beschilderungen. Erwähnenswert ist sicher auch der Balanced Rock, ein großer Felsblock, er auf einer im Vergleich dazu gefährlich schmalen Säule balanciert. Wie einige andere Sehenswürdigkeiten findet man ihn direkt an der 42 Meilen langen Parkstraße. Zum Delicate Arch, sicher einer der meistfotografierten Bögen im Park, muss man dagegen noch eine kleine Klettertour auf sich nehmen. Besonders zu Sonnenuntergang lockt das Farbspiel der Felsen viele Touristen an. Ich kann nur empfehlen, in allen amerikanischen National Parks öfter mal ein Stück weiter zu gehen, häufig hat man dann die grandiose Natur ganz für sich allein.

Viele Besucher des Arches National Parks übernachten in Moab, da es in dem nur 300 Quadratkilometer kleinen Park keine Übernachtungs- möglichkeiten gibt. Dementsprechend ist die (Klein-)Stadt auf sämtliche Bedürfnisse der Touristen ausgerichtet. Es gibt Souvenirläden, Supermärkte und Cafés, die je nach Neigung besucht werden können. Moab ist auch ein Ausgangspunkt für den benachbarten Canyonlands National Park. Das in drei verschiedene Districts aufgeteilte Schutzgebiet, das im Zentrum des Colorado Plateaus liegt, erscheint urtümlicher als der ‚gebändigte’ Arches. Vom Green River und Colorado in Jahrmillionen in die Felsen geschnittene Canyons sind sicher die Hauptattraktionen. Aber auch sonst gibt es viel zu entdecken, von bizarren Felsen (z.B. Chesler Park), überPotholes bis hin zu der empfindlichen mikrobiotischen Kruste. Canyonlands gilt zusammen mit Alaska als eine der letzten Wildnisse der USA.

Als Autumns Beziehung mit ihrem Ranger-Kollegen Shane Hunter sich vertieft, lädt er sie ein, mit ihm zur Ranch seiner Familie nach Montana zu fahren, die sich in der Nähe von West Yellowstone, einige Kilometer vor dem Yellowstone National Park befindet. Natürlich darf da auch eine kurze Tour in den ältesten National Park der Welt nicht fehlen. Bekannt ist der Yellowstone durch seine zahlreichen Geysire und heißen Quellen, die auf die bereits 50 Millionen Jahre währende vulkanische Aktivität der Region zurückzuführen sind. Der letzte Ausbruch des riesigen Yellowstone-Vulkans fand vor 600.000 Jahren statt – es wird damit gerechnet, dass er ungefähr alle 600.000 Jahre ausbricht, also könnte es jederzeit wieder so weit sein. (Diese Information nur für diejenigen, die die Landschaft und die Tierwelt des Parks noch nicht aufregend genug finden!).

Shane führt Autumn zum Old Faithful Geysir, der seinem Namen alle Ehre macht, indem er gut vorhersagbar etwa alle 40 Minuten ausbricht. Allerdings ist es weder der höchste, noch der schönste Geysir im Park und es lohnt sich auf jeden Fall, auch hier einen etwas weiteren Weg und eine längere Wartezeit in Kauf zu nehmen, um einige der anderen zahlreichen Geysire im Park fernab der Menschenmassen zu beobachten. Auch die stillen Quellen sind faszinierend. Abhängig von der Wassertemperatur und der Anzahl der Bakterien in den Pools variieren die Farben von tief blau bis zu orange in den äußeren Ausläufern. Shane klettert mit Autumn einen nahen Hügel hinauf, um einen besseren Blick auf die Grand Prismatic Spring zu werfen, der größte stille Pool im Park und definitiv die Anstrengung wert, allerdings sollte man sich nicht dabei erwischen lassen. Auch den Grand Canyon of the Yellowstone sollte man nicht verpassen. Vom Yellowstone River gebildet, beeindruckt er durch seine gelb, weiß und rot gefärbten steilen Wände und natürlich die beiden größten Wasserfälle des Parks, den Upper und den Lower Fall. Ein weiteres Highlight sind die Sinterterrassen bei Mammoth Hot Springs, je nach Wasserstand grell weiß oder mit farbigen Bakterien bewachsen. Alles ist der ständigen Veränderung unterworfen, auch bei den Mud Pots ist das nicht anders. Manche blubbern vor sich hin, andere schleudern den Schlamm meterweit heraus. Auch die Tierwelt kommt im Yellowstone National Park nicht zu kurz, neben zahllosen Wapiti-Hirschen, Elchen und Dickhornschafen sind es vor allem die Bisons, die jedem Besucher sofort auffallen (man sollte nur hoffen, dass keine Herde auf der schmalen Parkstraße vor einem herzuckelt, wie es Shane und Autumn passiert). Mit viel Glück kann man einen Schwarzbären oder sogar einen Grizzly sehen, Wölfe noch viel seltener. Andererseits kann es einem Besucher an Aufregung schon reichen, wenn er sein Zelt inmitten von Bären markierten Bäumen aufbaut. In diesem Fall sollte man den Verhaltensregeln der Parkverwaltung folgen, wie z.B. alles Essbare gut (und vor allem geruchsdicht) zu verstauen.

Auch mein zweites Buch ‚Riskante Nähe’ spielt zu großen Teilen auf der Ranch der Familie Hunter und im Yellowstone National Park. Diesmal aber eher in den von Besuchern selten besuchten Gebieten im Nordwesten, in denen es keine Wanderwege oder sonstigen Parkeinrichtungen gibt. Clint Hunter und Karen Lombard müssen sich hier durch die Wildnis schlagen, immer verfolgt von Terroristen, die sie töten wollen. So durchqueren sie einige der Flüsse, die den Park durchziehen und kommen schließlich durch die 1988 durch ein Feuer vernichteten Waldflächen, die wenig Schutz vor den Verfolgern bieten. 36 % des Waldbestandes wurde damals vernichtet und die Auswirkungen werden noch lange zu sehen sein. Aber auch hier ist es spannend, zuzusehen, wie sich die Natur verändert und an die neuen Gegebenheiten anpasst.

In ‚Eine unheilvolle Begegnung’ entdeckt die Paläontologin Samantha Dyson auf dem Colorado Plateau einen Allosaurus-Schädel – und einen lebendig begrabenen Mann.Inmitten der graugrünen Felsen der Morrison Formation mit ihren roten und purpurfarbenen Bändern beginnt eine Verfolgungsjagd, die Sam und Morgan  Spade nach Salt Lake City und schließlich bis nach Denver führt. Das Colorado Plateau ist ein 337.000 Quadratkilometer großes, auf durchschnittlich 1600 Metern Höhe liegendes Gebiet, das sich über die Bundesstaaten Utah, Arizona, Colorado und New Mexico erstreckt. Zahlreiche National Parks befinden sich in diesem Gebiet, wie z.B. die oben bereits genannten Arches und Canyonlands, aber auch Bryce Canyon, Zion und vor allem der Grand Canyon National Park, über den ich später noch berichten werde. Sam und Morgan fliehen nun erst nach Vernal, in dessen Nähe sich das Dinosaur National Monument befindet. Der Park erhielt seinen Namen nach den dort gefundenen riesigen Mengen an Dinosaurierknochen. Über einer der Fundstellen wurde ein Museum errichtet, das eine ganze Felswand mit darin enthaltenen Knochen zeigt. Sam lässt Morgan auf eigenen Wunsch in einem Motel zurück und fährt dann nach Salt Lake City weiter, wo sie an der Universität arbeitet. Doch auch hier spüren die Verbrecher sie auf, sodass sie zusammen mit Morgan erneut fliehen muss. Die Reise führt sie unter anderem durch den Capitol Reef National Park. Der Park zieht sich entlang der 100 Meilen langen Waterpocket Fold, die ihren Namen durch die vielen in den Stein gegraben Wassertaschen erhielt. Rotgemusterte Felswände ragen in schroffen Formationen in den Himmel. Streifen in verschiedenen Farbtönen ziehen sich durch den Stein und umringen ihn. Dazwischen liegen kleine Dünen aus rotem Sand, bewachsen mit einzelnen Nusskiefer- und Wachholderbüschen, eingebettet in die gewaltige Kulisse aus riesigen Sandsteinklippen, die in tiefem Rot erstrahlen. Einige Meilen weiter wandelt sich die Landschaft zu einer kleinen grünen Oase in einem Meer von roten Steilklippen. Grund dafür ist der Fremont River, der schon früh Siedler anzog, die hier Obstbäume pflanzten und die Gegend kultivierten. Heute wird das Gebiet von der National Park Verwaltung gepflegt.

In meinem neuesten Buch ‚Abgründe des Verlangens’ kehren Laurel Harrison und Rey Dyson von einer anstrengenden und gefährlichen Wochenend-Safari in Südafrika in Reys Heimatstadt Kanab zurück. Als Naturfilmer hat Rey natürlich eine besondere Beziehung zum nahegelegenen Grand Canyon National Park und so führt er Laurel auf eine Reise durch die Millionen Jahre alten Gesteinsschichten hinunter zum Colorado River. Kaum ein Besucher wird jemals den ersten Blick in den über 1600 m tiefen Abgrund vergessen: vor einem erstreckt sich bis zum Horizont eine bizarre Terrassenlandschaft mit tiefen Schluchten, steil abfallenden, rot leuchtenden Felsen und ebenen Plateaus. Tief unten schlängelt sich der Colorado hindurch, der diese gewaltige, bis zu 16 Kilometer breite Schluchtenlandschaft in etwa 10 Millionen Jahren geschaffen hat. Vor allem der Südrand ist touristisch perfekt ausgebaut, es gibt Shuttlebusse und viele Aussichtspunkte, von denen die Besucher einen guten Blick auf den Canyon haben. Allerdings gilt auch hier das Motto: lieber ein paar Schritte gehen und damit die gewaltige Landschaft ganz für sich allein haben. Einer der schönsten Spaziergänge führt direkt am Rim entlang und ist sehr zu empfehlen. Allerdings sollte man schwindelfrei und trittsicher sein. Für die längere Wanderung in den Canyon hinein wird eine gewisse Kondition vorausgesetzt. Hinunter ist kein Problem, aber wieder hinauf ... Wer möchte, kann die ganze Tour durch den Canyon wagen, allerdings sollte dann Monate vorher eine Unterkunft auf der Phantom Ranch oder dem Zeltplatz gebucht und ein Backcountry Permit beantragt werden. Vom Nordrand aus wandern Laurel und Rey den North Kaibab Trail zum Colorado hinunter, am Südrand besteht die Wahl zwischen dem steileren South Kaibab Trail und dem Bright Angel Trail. Je tiefer man in den Canyon vordringt, desto wärmer wird es. Klima und auch Vegetation wechseln von gemäßigter Zone mit Mischwäldern zu wüstenartigem Klima mit Kakteen im Innern des Canyons. Natürlich haben Laurel und Rey schon bald ganz andere Sorgen, als ihre Verfolger sie dort aufspüren ...

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick in die faszinierenden Landschaften des Westens der USA geben, natürlich ist das Gebiet viel zu groß, um jeden einzelnen Park zu nennen. Die Vielfalt ist auf jeden Fall beeindruckend – von der Mojave-Wüste im Süden, über die riesigen Sequoias im Gebiet des Yosemite National Parks, die verwüstete Landschaft rund um den Mount St. Helens bis in den Norden zur Olympic Peninsular mit ihrem gemäßigten Regenwald.

Copyright: Michelle Raven, 30. Mai 2005

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